Britta hilft

Posted by in Blog, Britta macht... on Do. Sep. 2015

Britta hilft

Einfach machen ist das Motto. In den Messehallen B6 und B7 wohnen seit einigen Wochen über 1000 Flüchtlinge aus allen Herrenländern. Ebenso lange helfen unzählige Freiwillige, die Massen an Spenden zu sortieren und gerecht zu verteilen. 

In einer schlaflosen Sonntagnacht las ich den Post einer Freundin bei Facebook, dass in den Messehallen eine Unterkunft für Flüchtlinge eingerichtet wurde, mit einer Kleiderkammer und Spenden-Annahmestelle. Jeder könnte helfen, man solle einfach vorbei kommen.

Eine super Idee. Einige Tage brauchte es noch, bis ich es schaffte, den Gedanken in die Tat umzusetzen. Doch dann fasste ich mir ein Herz und fuhr die wenigen Stationen mit der Bahn zu den Messehallen. Einfach mal machen. Dann wolln wir mal. Ich irrte erst ein wenig verloren vor dem Eingang Süd herum, bis mich ein bärtiger Herr mit Signalweste ansprach. Helfer würden in Halle B6 gesucht. Also, eigentlich in Halle B7, aber der Eingang sei derselbe. Einmal ums Eck.

Die Initiative ging aus von den unmittelbaren Nachbarn der Flüchtlinge in den Messehallen. Schnell gründete sich bei Facebook die Gruppe Refugees welcome – Karoviertel. Ideen wurden gesammelt, Arbeitsgruppen gegründet und einfach losgelegt. Nicht nur die Spenden werden über diese eigenständige Gruppe koordiniert. Es gibt auch eine AG Kinderbetreuung, eine AG Sport, eine AG Deutschunterricht und viele viele mehr. An Samstagen wird am großen Platz vor der Halle gegrillt. Auch hier darf jeder kommen, eine Kleinigkeit mitbringen und mit feiern. Denn die Geflüchteten brauchen nicht nur neue Kleider. Sie brauchen auch neue Kontakte, neue Bekannte, neue Freunde.

Beim Pförtner musste ich mich in eine Liste eintragen und dann konnte es auch schon losgehen. An der Halle B7 wurde ich fröhlich empfangen. Ich solle eine Runde durch die Halle drehen und mir ein Bild der Lage verschaffen. Danach könne ich mir einen freien Platz suchen, mir einen Karton mit gespendeten Kleidern schnappen und los sortieren. Herrenkleidung Größe S, M oder L hier hin, Damenkleidung Größe S, M oder L dort hin. Die Stapel würden dann abgeholt und nochmals nach Pullover, T-Shirt, Hose sortiert und im hinteren Teil der Halle gelagert. Los geht es.

Das war vor etwa einem Monat. Mittlerweile erinnert die Halle B7 an das Lager eines großen Internet-Versandhandels. Oder dem, was ich mir darunter vorstelle. Es gibt die Bereiche Kleidung, Hygiene, Taschen, Bettwäsche. Selbst Kartons haben einen eigenen Bereich. Helfer mit Logistik-Fachwissen haben sich und ihre Computer in der Halle zum Einsatz gebracht. Ohne sie wären die Massen an Spenden gar nicht mehr zu kontrollieren. Gabelstapler und LKW fahren ein und aus und bringen unsortierte Kartons zu den Helfern und sortierte Waren ins Lager oder direkt zu den Flüchtlingen. Mittlerweile versorgt die Kleiderkammer der Messehallen diverse Auffanglager in ganz Hamburg.

Bei meinem zweiten Einsatz wechsle ich von der Kleider- in die Hygieneabteilung gewechselt. Palettenweise werden hier Kartons voller Spenden angekarrt. Bei Budni oder Edeka können Kunden eine Auswahl an Dingen zum Einkaufspreis kaufen und in eine Spendenbox legen. Diese wird dann von mir uns einer fleißigen Gruppe anderer Helfer sortiert und in Erstversorgungs-Beutel verteilt. Jeder Flüchtling bekommt dann, je nach Geschlecht, einen Jutebeutel mit Seife, Zahnbürste, Zahncreme, Deo, Rasierer oder Binden.

Mit mir sortieren Schülergruppen, Firmengruppen, die einen Tag frei bekommen haben, und Menschen, die ihre Freizeit opfern um zu helfen. Die Stimmung ist unbeschreiblich. Alle freuen sich da zu sein und auch über jeden anderen Helfer. Niemals vorher habe ich bei einer Arbeit so oft ein „Danke“ gehört.

Beim dritten Einsatz steige ich schon auf zur Sortier-Koordinatoren. Es gibt hier keine Hierarchie, keine festen Strukturen. Je öfter man kommt, desto mehr versteht man. Wer Erfahrung hat, weist die Neuen ein. Und wenn keiner mehr weiter weiß gibt es das Orga-Team. Helfer, die seit dem ersten Tag ihre gesamte Freizeit, ihren Jahresurlaub oder sogar unbezahlte Tage in den Hallen verbringen.

Nicht alle Sortierer sind die schnellsten, einige brauchen lange um das System zu durchschauen. Aber sie helfen. Lange sortiere ich mit einem Herren zusammen, der den Unterschied zwischen Duschgel und Shampoo nicht verstehen will oder vielleicht auch immer nur wieder vergisst genau auf das Etikett zu schauen. Er kann nicht gut laufen und keine Kisten heben. Trotzdem ist er eine Hilfe. Und ich glaube, hier zu sein ist auch ihm eine Hilfe.

Natürlich ist es nicht absolut selbstlos, hier zu sein. An jedem Abend gehe ich voller Energie nach Hause und quatsche meinen Freund euphorisch komplett zu. Ich denke, dass es nicht nur mir so geht. Viele Helfer kommen auch her, um sich selbst zu helfen. Um das Gefühl zu haben, gebraucht zu werden. Um mit Menschen in Kontakt zu kommen, die durchweg positiv sind. Und natürlich um etwas Gutes zu tun. In erster Linie den anderen, denen, die nichts mehr haben, die alles verloren auf ihrer weitern Reise in die Sicherheit. Aber auch sich selbst. Gegen die Einsamkeit, gegen die Langeweile, für ein gutes Gefühl.

Eine reine Win-Win-Situation.

 

 

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