Nichts für Wasserscheue

Posted by in Britta macht... on Sa. Jan. 2014

Nichts für Wasserscheue

Segeln lernt man am besten in kleinen Booten. Doch auch für Segler, die schon seit Jahren auf dem Dickschiff angekommen sind, lohnt sich der Ausflug auf ein kleineres Boot. Darum bietet der DHH seit diesem Jahr Gleitjollen-Kurse auch für Erwachsene an. Ein völlig anderes Segelgefühl. Im Sommer 2013 habe ich es an der Hanseatischen Yachtschule in Glücksburg eine Woche lang ausprobiert.

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Wind fährt in unsere Segel. Wir luven an, ziehen das Groß dichter. Dann fallen wir ab, lassen den Gennaker fahren. Das Wasser gurgelt, Zulu fängt an zu brummen. Wir gleiten. Eine Woche Laser-Training. Gleitjollen. Eine ganz neue Erfahrung. Mit neun Jahren machte ich meinen Opti-Schein, irgendwann im Studium mal einen Jollen-Segelkurs und auf der Alster habe ich mich auf der J/24 versucht. Jetzt soll es zum ersten Mal auch ins Trapez gehen. Eigentlich sind die Laser Jugendboote. In diesem Jahr bietet der DHH zum ersten Mal auch Kurse für Erwachsene, die es sportlich mögen. Mit guter Resonanz. Im nächsten Jahr sollen es mehr werden. Eine Altersbegrenzung nach oben gibt es nicht, eine gewisse körperliche Fitness ist aber Voraussetzung.

Gesegelt wird auf dem Laser2000, einer sportlichen Jolle für zwei Personen. Die Kurse für Jugendliche sind meist ausgebucht, bei bis zu 20 Teilnehmern sind alle Laser der Schule im Wasser. Wir sind zu sechst und segeln zu zweit im Laser. Der kommt mir unglaublich wackelig vor. Nach dem Aufbauen der Schiffe üben wir zunächst auf dem Trockenen: Wenden fahren und stehen im Trapez. Dann geht es aufs Wasser. Eine Windstärke. Viel zu wenig, um wirklich von Segeln zu sprechen, doch genau richtig, um mich auf dem Boot zurechtzufinden. Wo sitze ich, wo sitzt mein Vorschoter am besten? Wohin mit dem Pinnenausleger?

Das relativ hohe Freibord bietet eine angenehme und trockene Sitzposition, durch die Rollanlage der Fock spart man sich viel Rumgeturne auf dem schmalen Bug. Fock und Gennaker werden mit Endlosschot, der Gennaker auch mit Einleinen-System zum Setzten und Bergen gesegelt. Auch bei wenig Wind reagiert der Laser unheimlich schnell auf Ruder, Segelstellung und Gewichtsverlagerung. Daran müssen wir Dickschiff-Segler und erst einmal gewöhnen. Wir kreuzen gemächlich auf die Förde hinaus. Die Manöver klappen schon ganz gut bei perfektem Anfängerwind. Dann versammeln wir uns an der ersten Boje vor der Hafeneinfahrt. Kentern steht auf dem Programm. Es ist warm, die Sonne scheint. Trotzdem kostet es beim ersten Mal Überwindung, das Boot ins Kippen zu bringen. Auf dem umgedrehten Rumpf kann man bequem sitzen, zu zweit lässt sich das Boot leicht wieder aufrichten. Eine wichtige Übung für uns; in den kommenden Tagen werden wir noch so manchem Mal im Wasser liegen. Laser-Segeln ist nichts für Wasserscheue.

Nach ein paar Versuchen packt mich und meinen Mitsegler Christoph der Ehrgeiz: Wie schnell können wir eine „Eskimorolle“ mit dem Laser machen? Durchkentern und wieder aufrichten in einem Zug. Segellehrer Jochen stoppt die Zeit: Eine Minute dreizehn. Jochen denkt sich immer neue Übungen für uns aus. Wir fahren mit verbundenen Augen, um ein Gefühl für Wind und Ruderdruck zu bekommen, laufen einmal unter vollen Segeln an der äußeren Kante rund um das Schiff, fahren rückwärts. Die Übungen helfen. Wir werden immer vertrauter mit dem Schi“. Der Wind nimmt stetig zu und so kommen wir schon am zweiten Vormittag richtig schön ins Segeln.

Es wird Zeit für den Gennaker. Die Handhabung ist einfach, der Effekt deutlich: Wir nehmen Fahrt auf. Meine neue Mitseglerin Anja ist erfahrene Hobie-Kat Seglerin. Sie kennt sich aus mit dem Trapez und kann es kaum erwarten, hinaus zu dürfen. Ich probiere es auch. Es dauert eine Weile bis ich Vertrauen in die Konstruktion habe und mich ganz in das Trapez fallen lasse. Die Gennakerschot schneidet trotz Handschuhen in den Händen, bei jeder Böe befürchte ich zu kentern oder in Luv durchs Wasser gezogen zu werden.  Und tatsächlich: ein kleiner Fehler, eine Böe, eine zu spät gefierte Großschot, und wir liegen in der Förde. Meine Mitstreiter mit mehr Gewicht und weniger Erfahrung haben es nicht leichter. Im Gegenteil: Immer wieder sehen wir die anderen Boote Schwert oben im Wasser liegen.

Jochen erklärt uns, was wir falsch machen: Halten wir die Großschot zu fest, werden wir nach Lee umgeworfen. Lässt man sie zu weit fahren und bleibt dabei auf der Kante sitzen, kentert uns das eigene Gewicht in Luv. Mit jeder Wende werden wir sicherer. Es macht Spaß. Von nun an nutzen wir jede Böe um uns ins Trapez zu stemmen, bis die Oberschenkel brennen und die Hände das Zupacken verweigern. Anluven und das Groß dicht nehmen. Im richtigen Moment abfallen. Jochen erklärt uns, wie man das Schi“ ins Gleiten bekommt: Nach wenigen Versuchen beginnt unser Boot zu summen und schießt durch die Wellen. Ein großartiges Gefühl.

Am letzten Tag dürfen Anja und ich den Laser3000 ausprobieren. Wesentlich schmaler, deutlich leichter, noch sportlicher, noch kippeliger. Der Wind hat über die Woche zu perfekten vier Windstärken aufgefrischt. Heute liegen auch wir oft im Wasser. Das kleine Boot verzeiht Steuer- und Trimmfehler noch weniger als sein großer Bruder. Aber es ist auch schneller. Wir haben das Gefühl, nur so über die Förde zu fliegen.

Bis wir in Lee überholt werden. Ein 49er rast an uns vorbei, weit draußen auf den Tragflächen im Trapez zwei blonde junge Frauen. Die Damen trainieren für die Deutschen Meisterschaften, die am Wochenende auf der Förde stattfiden. Wir können nur staunen und versuchen, noch mehr Geschwindigkeit aus unserem kleinen Boot herauszuholen. Anluven – Abfallen – Gennaker auf. Auch der kleine Laser summt und brummt. Das Wasser gurgelt unter unserem Rumpf. Anja und ich jubeln. Ich frage mich, warum ich nicht schon vor Jahren auf die Idee gekommen bin, Laser zu segeln. Für eine große Karriere ist es zu spät. Für den Adrenalin-Kick, Geschwindigkeitsrausch und den großartigen Spaß zu zweit auf dem Wasser ist der richtige Zeitpunkt aber immer genau jetzt.

 

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