Eine Frau mit Zukunft

Posted by in Britta trifft... on Di. Nov. 2011

Eine Frau mit Zukunft

Mit 27 Jahren steht Silke Hahlbrock kurz vor der  Erfüllung ihres Traumes:  Die Match Race-Seglerin will sie sich für die Olympischen Spiele 2012  qualifizieren. Zwischen Mallorca, Kiel und England war Olympia-Seglerin Silke Hahlbrock einmal kurz in ihrer Wohnung in Altona. Ich hab mich spontan auf einen Kaffee eingeladen und wir haben ein bisschen geschnackt…

Wie bist du zum Segeln gekommen?
Das ist mir wohl schon in die Wiege gelegt worden. Meine Eltern haben sich beim Segeln kennengelernt – auf einem Dreimaster. Mein Vater ist außerdem am Dieksee in Schleswig-Holstein aufgewachsen. Da haben wir oft Urlaub gemacht. Irgendwann bekamen meine Schwester und ich
dann einen Opti. Damit haben wir unsere ersten Erfahrungen gemacht. Mit viel Wind und viel Weinen. Mit Baum an den Kopf bekommen und allem. Aber es hat Spaß gemacht, und wir fingen an, kleinere Opti-Regatten zu segeln. Reine Spaßveranstaltungen. Meine erste Regatta war die „Wurst- Regatta“, wo man eine Salami gewinnen konnte.

Hast du gewonnen?
Das weiß ich nicht mehr so genau. Aber ich glaube, ich hab‘ einen Zinnbecher gewonnen. Das war natürlich toll. Als Kind freut man sich da wahnsinnig drüber. Später hat mein Vater von einem Verein gehört, dem Jugend-Segelclub Alster in Hamburg. Die haben Segeln für Menschen mit nicht so viel Geld möglich gemacht. Mein Vater wollte das unterstützen und hat uns da angemeldet. So haben wir eigentlich erst
richtig angefangen zu segeln.

Deine Schwester segelt mit dir im Match Race-Team Funktioniert das?
Wir segeln schon ewig miteinander und sind auch gegeneinander gesegelt. Klar gibt es bei Geschwistern immer mal Streit, aber dann verträgt man sich wieder. Und mittlerweile sind wir in einem Alter, in dem wir uns auf die Leistung konzentrieren.

Ihr trainiert in Kiel, auf Mallorca und in  England. Zusätzlich arbeitest und studierst du. Ist das nicht eine extreme Belastung?
Klar. Ich bin gestern aus England gekommen und Montag fliege ich weiter. Man muss sich das so vorstellen: als Sportler hat man keinen wirklich geregelten Tagesablauf, wenn man nicht dazu studiert oder arbeitet. Wenn ich fünf Stunden am Tag arbeite, habe ich einen Rahmen, um den ich mein Leben organisieren kann. Das klingt zwar komisch, aber wenn man gar nichts macht, schafft man auch nichts.

Hast du im Moment Zeit für ein Privatleben?
Meinen Freund sehe ich selten. Er segelt selbst, ist Segeldesigner und viel unterwegs. Jetzt bin ich fünf Tage hier, morgen und übermorgen gehe ich arbeiten. Außerdem muss ich viel organisieren, Flüge buchen, planen. Da bleibt nicht viel Zeit. Aber wenn ich hier bin, dann versuche ich schon, mich mit Freunden zu treffen. Viel läuft über Internet und Telefon. Jetzt, vor der Olympiaqualifikation, ist es natürlich schwierig,
aber danach, so im August, werden wir ein bisschen abschalten können. Es ist wichtig, einfach mal was anderes zu sehen.

Siehst du dich als Profisportler?
Auf jeden Fall. Das ist mein Haupt-Lebensinhalt. „Profi“ definiert sich nicht unbedingt über das Geld, das man damit verdient. Die Deutsche Sporthilfe hat in einer Umfrage herausgefunden, dass der durchschnittliche deutsche Kader-Leistungssportler im Schnitt 600 Euro im Monat zum Leben hat. Auch Medaillen-Gewinner. Dafür arbeitet man aber bis zu 60 Stunden: Training, Organisation, Reisezeiten. Ich segel und
gewinne gern. Ich will Ziele erreichen. Ich lebe im Moment für meinen Sport und richte alles danach aus. Ich denke nicht ausschließlich ans Gewinnen, aber letztlich steht das über allem. Beim Match Race segeln zwei Boote direkt gegeneinander.  Man kann nur gewinnen oder verlieren. Besonders wenn es eng wird, ist da eine Menge Adrenalin im Spiel.

Und wie finanzierst du diese Leidenschaft?
Es gibt eine ganze Reihe von Unterstützern. Das fängt bei unserem Verein, dem Hamburger Segel-Club, an, der uns zwei Boote gekauft hat. Das ist eigentlich die Grundlage gewesen. Dann gibt es noch den Deutschen Segler-Verband, der uns finanziell unterstützt. Dazu kommen eine Menge Sponsoren. Und natürlich unsere Eltern. Ohne die könnten wir das nicht machen. Dann gibt es noch die Sporthilfe und das Team Hamburg, eine Stiftung, die Sportler aus Hamburg unterstützt.

Wie seht ihr eure Chancen für Olympia?
Die sind ganz gut, auch wenn es natürlich nicht einfach wird. Das Niveau ist wahnsinnig hoch. Auf Mallorca sind wir gerade achte geworden. Wir haben die ersten zwei Tage alle Rennen gewonnen und dann gar nichts mehr. Wir sind nicht schlecht gesegelt, es war aber in jedem Rennen ein kleiner Fehler. Bis zu den Olympischen Spielen wird es wahrscheinlich so sein, dass von den zwölf Teams, die teilnehmen, zehn
Chancen auf eine Medaille haben. Wir leiden ein bisschen darunter, dass wir in Deutschland das einzige Team sind. Nationen, bei denen es mehrere Teams gibt, die sich gegenseitig pushen, haben es da einfacher. Wir müssen immer gucken, dass wir Trainingspartner finden und immer zwei Boote mitnehmen, weil wir auch Partner haben, die keine eigenen Boote haben. Für uns bedeutet das doppelten Aufwand und
die doppelten Kosten.

Wie sieht euer Training aus?
Unser Bundestrainer, Diederik Bakker, ist immer dabei: Im Schlauchboot, morgens bei der Vorbesprechung, abends bei der Nachbesprechung. Wir machen Videoanalysen und alles Mögliche. Darüber hinaus ist Sten Moor regelmäßig da. Sten war Steuermann beim America‘s Cup-Team BMW Oracle und ist einer der weltbesten Match Racer. Diederik ist ein erfahrener Olympiatrainer. Es ist wichtig, jemanden zu haben, der weiß, was passiert, wenn es auf die Olympia-Qualifikation zugeht und plötzlich deine Freunde deine Feinde werden oder andere Trainer versuchen, dich zu verunsichern. Es gibt da schon so kleine Psychospielchen. Zwar mit fairen Mitteln, aber es verunsichert einen schon. Wenn man das aber weiß, dann kann man damit besser umgehen. Auch auf den Ansturm von Presse und Publikum muss man vorbereitet sein. Beim Segeln haben wir kaum Zuschauer und wenn es dann gut läuft, hört das Handy plötzlich nicht mehr auf zu klingeln.

Wie geht es für dich nach 2012 weiter?
Das weiß ich noch nicht. Aber mein olympischer Traum endet, so wie es jetzt aussieht, 2012.

Porträt Silke Hahlbrock (erschienen am 14. Juni 2011 in „segeln zwischen Elbe und Ostsee“, einer Beilage des Hamburger Abendblatts in Zusammenarbeit mit segeln)

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