Musik in den Segeln

Posted by in Britta trifft... on Mi. Jul. 2011

Musik in den Segeln

Heute ist mir ein etwas älteres Gespräch wieder in die Hände gefallen. Anfang des Jahres habe ich die „sailing conductors“ interviewt. Oder zumindest einen von ihnen, Hannes. Ihr Projekt war damals noch Zukunftsmusik, im wahrsten Sinne des Wortes. Und ich muss zugeben, ich habe nicht wirklich gedacht, dass die Jungs das hinkriegen. Oder zumindest bin ich davon ausgegangen, dass sie nach den ersten Seemeilen abbrechen. Träumer, Spinner. Aber sie segeln. Immer noch und anscheinend gar nicht mal so schlecht. Mittlerweile sind sie in Jakarta und ich mach wieder einen fetten Strich auf der Pro-Seite meiner „Einfach mal machen“- Liste und verbeuge mich vor so viel Mumm.

Sie nennen sich die „Segelnden Dirigenten“, sind Mitte zwanzig, Musiker und voller Tatendrang. Zwei deutsche Studenten wollen von Sydney nach Berlin segeln und unterwegs eine CD aufnehmen. Segelerfahrung? Kaum. Abenteuerlust? Jede Menge!

Was bedeutet euer Projektname „Sailing Conductors“?
Wir sind die „Segelnden Dirigenten“. Das kann man schon gerne so direkt übersetzen. Prinzipiell wollen wir selbst nicht als Musiker im Vordergrund stehen, sondern viel mehr andere dazu anleiten und das dann aufnehmen. Bestimmt werden wir aber auch das ein oder andere deutsche Seemannslied in der Welt verbreiten!

Ihr wollt am 1. April starten. Im Moment gibt es aber noch nicht einmal ein Schiff, nur Benjamin ist schon vor Ort in Australien. Er ist auch der einzige mit Segelerfahrung. Ist euer Unternehmen etwas blauäugig?
Blauäugig ist wahrscheinlich nicht das richtige Wort. Ich würde das so beschreiben: Wir haben ein Boot aus jugendlichem Leichtsinn und Abenteuerlust gebaut – in unseren Segeln weht der Wind der Hoffnung. Natürlich sind wir uns der ganzen Probleme bewusst, und an diesen arbeiten wir gerade. Wir sind einfach zwei Mittzwanziger die ihren Traum verwirklichen und keine professionellen Geschäftsmänner, klar dass da Risiken bleiben.

Was qualifiziert euch für die Reise?
Benni hat den Segelschein, wir beide haben ein abgeschlossenes Tontechnikstudium und Musik im Herzen. Das muss erstmal reichen. Wir sehen die Reise auch ein bisschen als berufsbildende Maßnahme. In dieser Kreativbranche gibt es kaum Festanstellungen und es zählt nur, was du bis jetzt gemacht hast. Pragmatisch gesehen, ist ‚Sailing Conductors’ sozusagen eine Investition in den Wert unserer Person auf dem Arbeitsmarkt. Und wer weiß, was sich nicht alles aus diesem Projekt ergeben kann?!

Dein Großvater ist auch zur See gefahren. Was sagt er zu euren Plänen?
Mein Opa ist als Elektriker auf großen Containerschiffen um die Welt gereist. Bei starkem Seegang mitten im Ozean hat er solch kleine Segelboote halb für ihren Mut bewundert und halb für ihre Leichtsinnigkeit als verrückt erklärt. Wir werden zwar nicht quer über den Ozean schippern, sondern an den Küsten entlang segeln, sind also nicht auf hoher See, aber trotzdem verrückt.

Seid ihr denn schon mal zusammen gesegelt?
Nein.

Habt ihr schon längere Touren gemacht?
Nein. Absolutes Neuland.

Was für ein Schiff schwebt euch vor?
Wir träumen von einer hochseetauglichen Yacht zwischen 36 und 42 Fuß, wie etwa die Bavaria 42, mit Windgeneratoren und Solaranlagen. Ohne finanzielle Unterstützung würden wir uns eher eine Nussschale leisten können. Benni hat mal was von einem Compass oder einem Folkeboot erzählt…

Du fliegst am 6. März nach Australien. Wie wollt ihr es schaffen, in nicht mal einem Monat alles zu koordinieren und vorzubereiten? Von Probetörns ganz zu schweigen?
Wir sind voll in der Planungsphase, der letzte Monat ist ganz der Überprüfung des Bootsequipments, einigen Probetörns, körperlichen Vorbereitung und Einlagerung von Nahrungsvorräten gewidmet.

Wie wollt ihr die Reise finanzieren?
Derzeit besitzen wir eine begrenzte Summe an Startkapital, die für ein kleines Boot und ein bisschen darüber hinaus reicht. Jedoch sind wir dringend auf die Unterstützung von Sponsoren und Begeisterten angewiesen. Auf Kickstarter.com kann jeder Teil unseres Projekts werden und uns ab 1$ unterstützen. Einfach per Facebook-Account einloggen und per Amazon-Account Herzblut spenden. Ansonsten brauchen wir auch jedes Like auf www.facebook.com/sailingconductors und jeden Klick aufYouTube.

Ihr wollt auf eurer Reise eine CD aufnehmen, an der Musiker aus aller Welt mitwirken sollen. Wie soll das genau aussehen? Habt ihr schon Kontakte zu Musikern geknüpft oder überlasst ihr es dem Zufall?
Wir fangen einfach damit an Musiker auf der Straße anzusprechen und schauen dann weiter, ob uns der Ruf voraus eilt und wir Castings á la DSDS oder Popstars abhalten müssen.

Wo erwartet ihr die spannendste Musik?
Ehrlich gesagt ist ja gerade das Zusammenspiel der einzelnen Musikstile das Interessanteste. Ich glaube nicht, dass man da jetzt direkt einen Ort benennen könnte. Die Qualität der Musik ist außerdem sehr von der einzelnen Person und der Stimmung im Augenblick ihrer Entstehung abhängig. Besonders spannend sind aber auf alle Fälle exotische Instrumente, die man vorher nie gesehen hat und deren Klang man noch nicht kennt!

Wollt ihr in dem Boot ein richtiges Tonstudio einrichten?
Derzeit haben wir Equipment für ein kleines mobiles Tonstudio. Laptop, vernünftige Mikrofone, Signalwandler und Kopfhörer ergeben in der Summe ein erstaunlich starkes Aufnahmesystem mit sendefähigen Produktionen als Endergebnis. Das Wichtigste beim Aufnehmen ist ein versierter Musiker mit einem gut klingenden Instrument in einem tollen Raum. Die meisten Aufnahmen werden also an Land geschehen. An Bord gibt es dann unsere Laptops, kleine Lautsprecher und Kopfhörer. Damit können wir editieren und schon relativ gute Mischungen herstellen. Alle Clips und Sounds, die man während der Reise dann online hören kann, werden so entstehen. Das fertige Album wird wahrscheinlich noch seinen Feinschliff in einem größeren Studio bekommen.

Welche Rolle spielt das Segeln/Wasser für die Aufnahme der CD? Was dürfen wir am Ende erwarten? Wird es eine Art Shanti-Pop?
Das Wasser ist definitiv Dreh- und Angelpunkt der ganzen Sache. Wenn wir uns verfahren haben, müssen wir drehen, und Fische können wir in ihm auch fangen. Spaß bei Seite. Das Wasser ist ein Faktor, den man real wie spirituell nicht hoch genug einschätzen kann. Es sichert unser Fortkommen, gibt uns Nahrung und Inspiration. Gleichzeitig kann es aber auch zerstören und uns verschlingen. Überall ist Wasser – überall ist Musik. Durch dieses Konglomerat von Einflüssen wird sicherlich auch unsere CD bestimmt sein.
Grob kann man sagen, dass die Musik größtenteils akustisch sein soll. Ich vermute mal, dass ein Sound entsteht, der dem, was im Allgemeinen als „World Music“ verstanden wird, entspricht. Wir haben auf alle Fälle eine besondere Art, die Musik aufzunehmen. Es ist ein bisschen schwierig zu erklären, aber das was bei raus kommt nennen wir dann „Expedition Music“. Unter diesem Link kannst du dir ein Interview von uns anschauen, in dem ich das System etwas anschaulicher erklärt habe. Das ist verständlicher, als wenn ich das jetzt hier in Worte fasse.

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